15.10.2026 |
Nach feuchten Herbsttagen tauchen sie plötzlich im Rasen, zwischen Rindenmulch oder an alten Baumstümpfen auf: Welche Pilze in unseren Kleingärten wachsen, warum die meisten von ihnen nützlich sind – und wann man genauer hinsehen sollte.
Am Morgen war noch nichts zu sehen, wenige Stunden später ragen kleine Hüte aus dem Rasen: Vor allem im feuchten, milden Herbst finden Pilze ideale Bedingungen, um ihre Fruchtkörper zu bilden. Was wir über der Erde entdecken, ist allerdings nur ein kleiner Teil des eigentlichen Lebewesens.
Der weitaus größere Teil bleibt verborgen: Das sogenannte Myzel durchzieht als feines Geflecht aus Pilzfäden den Boden, abgestorbene Pflanzenreste oder Holz. Dort kann ein Pilz über viele Jahre leben. Erst wenn Temperatur und Feuchtigkeit passen, erscheinen seine Fruchtkörper und geben ihre Sporen an die Umgebung ab.
Viele Pilze ernähren sich von abgestorbenem organischem Material. Sie bauen Holz, Laub, alte Wurzeln und Pflanzenreste ab und machen die darin enthaltenen Nährstoffe wieder verfügbar. Ohne diese stillen Zersetzer würden sich abgestorbene Pflanzenreste immer weiter ansammeln.
Andere Pilze gehen eine enge Partnerschaft mit lebenden Pflanzen ein. Bei dieser sogenannten Mykorrhiza verbinden sich Pilzfäden mit den Wurzeln. Das Geflecht erschließt einen größeren Bereich des Bodens und unterstützt die Pflanze bei der Aufnahme von Wasser und Nährstoffen. Im Gegenzug erhält der Pilz Zucker, den die Pflanze durch Photosynthese bildet.
Ein humusreicher, möglichst wenig gestörter Boden bietet diesen nützlichen Pilzen gute Lebensbedingungen. Häufiges tiefes Umgraben, übermäßiges Düngen und unnötige Fungizide können das empfindliche Bodenleben dagegen beeinträchtigen.

Welche Pilze im Kleingarten erscheinen, hängt vom Boden, der Feuchtigkeit und dem vorhandenen Pflanzenmaterial ab. Im Rasen wachsen beispielsweise Schwindlinge, Tintlinge oder andere kleine Wiesenpilze. Manche bilden Kreise oder Bögen – die sogenannten Hexenringe. Sie ernähren sich meist von organischen Resten im Boden.
Tintlinge können auch rund um alte Wurzeln und vergrabene Holzreste auftauchen. Ihre Namen verdanken sie der Eigenschaft mancher Arten, im Alter dunkel und beinahe tintenartig zu zerfließen.
Zwischen Rindenmulch oder in der Nähe von morschem Holz erscheinen mitunter Stinkmorcheln. Ihr intensiver Geruch lockt Fliegen an, die zur Verbreitung ihrer Sporen beitragen. Auch auf Baumstümpfen und Totholz finden Pilze reichlich Nahrung. Dort sind sie meist Teil des natürlichen Abbaus. Wachsen sie hingegen an einem lebenden Gehölz, lohnt sich ein genauerer Blick.

Pilze direkt am Stamm, auf starken Ästen oder am Wurzelansatz eines lebenden Baumes können darauf hindeuten, dass im Inneren bereits Holz abgebaut wird. Das bedeutet nicht automatisch, dass der Baum gefällt werden muss. Seine Stabilität kann jedoch beeinträchtigt sein. Der Hallimasch etwa erscheint im Herbst an Baumstümpfen, vergrabenen Wurzeln oder am Fuß lebender Gehölze. Auf Totholz beteiligt er sich am natürlichen Abbau, lebende oder bereits geschwächte Gehölze kann er hingegen schädigen.
Zeigt ein betroffener Baum zusätzlich abgestorbene Äste, eine schüttere Krone oder Rindenschäden, sollte er fachkundig kontrolliert werden – besonders in der Nähe von Wegen, Gartenhäusern oder Nachbargrundstücken. Das bloße Entfernen der Fruchtkörper hilft nicht, denn der eigentliche Pilz lebt im Holz oder Wurzelbereich weiter.

Pilze im Rasen, im Beet oder auf Mulch dürfen in den meisten Fällen bleiben. Sie zeigen häufig nur an, dass unter der Oberfläche organisches Material abgebaut wird und die natürlichen Kreisläufe im Garten funktionieren. Eine Bekämpfung ist in der Regel nicht notwendig und widerspricht dem Gedanken eines naturnahen Gartens.
Nutzen kleine Kinder oder Haustiere den Garten, können unbekannte Fruchtkörper vorsorglich entfernt werden. Sie lassen sich mit Handschuhen aufnehmen und an einer unzugänglichen Stelle unter Sträuchern oder auf dem offenen Kompost ablegen. Das unterirdische Pilzgeflecht wird dadurch zwar nicht beseitigt, aber die Gefahr des Verschluckens vermindert.
Unter den Gartenpilzen gibt es auch giftige Arten. Ob ein Pilz essbar ist, lässt sich niemals zuverlässig anhand eines Fotos oder eine Bestimmungs-App entscheiden. Gartenfunde sollten deshalb nicht probiert, sondern bei Interesse von einer fachkundigen Pilzberatung bestimmt werden.

Pilze machen für kurze Zeit sichtbar, was im Garten sonst verborgen bleibt: Unter der Erde wird zersetzt, ausgetauscht und neues Wachstum vorbereitet. Nicht jeder Pilzfund ist ein Grund zur Sorge. Meist genügt es, seinen Standort zu betrachten und ihn als Teil eines lebendigen Gartens zu verstehen.
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